GKV oder PKV

In Deutschland ist Krankenversicherung schon seit Jahrzehnten Pflicht. Dabei existieren zwei völlig unterschiedliche Systeme, die beide ihre Vorteile und Nachteile haben. Die Mehrheit der Deutschen ist bei der gesetzlichen Krankenkasse versichert, wobei die Anzahl der PKV-Versicherten im Jahr 2011 bei rund 9 Millionen lag. Trotzdem sind knapp 23 Millionen der gesetzlich Versicherten auch zusätzlich privat versichert.

Beide Krankenversicherungen bieten aber die Möglichkeit, sich im Zusammenhang mit Krankheiten gegen finanzielle Risiken abzusichern. So übernimmt die jeweilige Krankenkasse im Falle einer Mutterschaft, nach Unfällen oder im Falle der Behandlung von Krankheiten, die anfallenden Kosten für den Versicherten entweder teilweise oder vollständig.

Kurzer Vergleich der beiden Versicherungssysteme

Die GKV steht jedem offen und ist Teil des deutschen Solidarsystems. Unabhängig von sozialen Faktoren wie zum Beispiel Gesundheitszustand, Geschlecht oder Alter werden die Beiträge anhand des Einkommens berechnet. Dabei haben alle Versicherte grundsätzlich den gleichen Anspruch auf Leistungen, wobei auch Familienmitglieder kostenlos mitversichert werden – auch wenn sie nicht selbst Geld verdienen.

Dagegen ist die PKV von der Grundstruktur völlig anders angelegt und steht prinzipiell nur speziellen Personengruppen zur Verfügung. In diesem Fall ist das Tarifmodell von monatlichem Einkommen unabhängig, denn die Beiträge werden unter besonderer Berücksichtigung sozialer Faktoren ermittelt, wie zum Beispiel Alter und Gesundheitszustand. Des Weiteren spielt auch der Leistungsumfang eine wichtige Rolle bei der Beitragsbemessung. In der PKV gibt es auch keine kostenlose Familienversicherung – es muss ein Vertrag für jedes Familienmitglied abgeschlossen werden.

Für wen ist die private Krankenversicherung geeignet?

Um bei einer privaten Krankenversicherung den Antrag auf Mitgliedschaft erfolgreich abzuschließen, müssen Sie zu einer der folgenden Gruppen gehören. Dabei muss der Versicherungsträger generell von der Versicherungspflicht der GKV befreit sein.

  • Freiberufler und Selbstständige: In der gesetzlichen Krankenversicherung gelten diese Berufsgruppen als freiwillig versichert und können sich daher für oder gegen eine PKV frei entscheiden. Vor allem für Selbstständige bietet die PKV spezielle Vorteile, denn im Vergleich zu normal Angestellten sehen sich Selbständige in der gesetzlichen Krankenversicherung oftmals schlechter gestellt. Ein unschlagbarer Vorteil im Vergleich zu der GKV ist die freie Tarifwahl und damit individuelle und günstigere Beitragsgestaltung. Auf diese Weise können sich Selbstständige die Leistungen der PKV speziell an die persönlichen Bedürfnisse anpassen.
  • Angestellte und Arbeitnehmer: Auch Berufstätige im Angestelltenverhältnis und Arbeitnehmer können die GKV verlassen und einen Vertrag bei der PKV abschließen. Dabei gibt es zwar einige Einschränkungen, denn die Angestellten müssen ein Jahreseinkommen vorweisen können, das über die Versicherungspflichtgrenze hinausgeht.
  • Beamte: Beamte können bei der Wahl der Krankenkasse ebenfalls frei entscheiden, denn sie haben keine Versicherungspflicht in der GKV. In der gesetzlichen Krankenversicherung werden Beamte nämlich den Freiberuflern und Selbstständigen gleichgestellt, wobei auch die Beiträge wie bei Angestellten üblich vom Bruttoarbeitsentgelt berechnet werden. Die PKV bietet gerade für diese Berufsgruppe attraktive Tarife an, die auf ihren Restkostenabsicherungsbedarf speziell abgestimmt sind. Neben Beamten sind auch Versorgungsempfänger, Richter und Berufssoldaten beihilfeberechtigt.
  • Studenten: Auch Studenten haben die Möglichkeit, eine private Krankenversicherung abzuschließen, indem sie sich von ihrer bestehenden Versicherungspflicht befreien lassen. Dazu muss jedenfalls ein so genannter Befreiungsantrag zeitnah vorgelegt werden. Die PKV bietet auch für Studenten spezielle Tarife an, deren Beitragshöhe in der Regel niedriger als die der GKV liegen. Absolventen werden aber nach Abschluss des Studiums zunächst wieder versicherungspflichtig, solange sie nicht in eine der oben genannten Gruppen fallen. Deshalb ist es empfehlenswert, sich durch eine Anwartschaft das Recht auf eine spätere Weiterversicherung bei der PKV zu sichern.
  • Journalisten und Künstler: Künstler und freiberuflich tätige Publizisten sind eine Sondergruppe, wenn es um die Mitgliedschaft bei einer PKV geht. Diese sind nämlich über die Künstlersozialkasse gesetzlich versichert, jedenfalls nur bis zur Versicherungspflichtgrenze. Publizisten und Künstler können sich unter bestimmten Voraussetzungen von der Versicherungspflicht auch befreien lassen, und zwar dann wenn sie gerade Berufsanfänger sind oder schon als Höherverdiener gelten.

Wie erfolgt der Wechsel von der GKV in die PKV?

Für einen Beitritt in eine private Krankenversicherung müssen zunächst einige Voraussetzungen erfüllt werden. Als erstes muss man nämlich von der Versicherungspflicht befreit sein. Das gilt für Freiberufler und Selbstständige, für Beamte und Studenten und in bestimmten Fällen auch für Künstler und Journalisten. Von der Versicherungspflicht sind auch diejenigen Angestellten und Arbeitnehmer befreit, die einem Bruttojahreseinkommen über die Versicherungspflichtgrenze haben.

Nachdem diese Voraussetzung erfüllt ist, sollte man die einzelnen Anbieter der PKV miteinander vergleichen. Oftmals lassen sich dadurch Beiträge einsparen, weshalb ein Vergleich von Beiträgen und Leistungen verschiedener Krankenkassen unerlässlich ist. Nachdem die Entscheidung für einen PKV Anbieter gefallen ist, erfolgt die Kontaktaufnahme. Im idealen Fall geschieht das über einen unabhängigen Makler, der die Angebote und eventuelle Risikopunkte der verschiedener Versicherungen untersuchen kann.

Für den Beitritt in eine PKV ist die Gesundheitsprüfung eine wichtige Voraussetzung: Der Antragsteller kann sich zwar auch ohne die entsprechende Prüfung versichern lassen, jedoch entsprechen die Leistungen bei diesem Tarif denen einer gesetzlichen Krankenversicherung.

Wer von seiner PKV günstigere Beiträge und Mehrleistungen erwartet, sollte eine Gesundheitsprüfung auf jeden Fall durchführen. Nach dem Erhalt der Annahmebestätigung der PKV, kann die GKV im Rahmen der Kündigungsfrist schriftlich gekündigt werden.

Wie erfolgt der Rückwechsel von der PKV in die GKV

Hat man sich einmal für die PKV entschieden, dann ist ein Rückwechsel zu der GKV nur unter ganz bestimmten Umständen möglich. Deshalb empfiehlt es sich vor jedem Vertragsabschluss die Vorteile und Nachteile der jeweiligen Krankenversicherung abzuwägen. Ein späterer Wechsel der Krankenversicherung (PKV zu GKV) ist theoretisch möglich, in der Praxis jedoch sehr schwierig und mit finanziellen Nachteilen verbunden.

In den meisten Fällen ist der Rückwechsel sogar unmöglich. Ältere Mitglieder sind für die Krankenversicherung generell wesentlich teurer als junge. So haben beide Krankenkassen nur wenig oder überhaupt kein Interesse, Leute ab einem gewissen Alter wieder neu aufzunehmen und bei sich zu versichern. Wer in diesem Alter wieder wechseln möchte, wird vor vielen Schwierigkeiten stehen, egal in welcher Krankenkasse er aktuell versichert ist.

Der Gesetzgeber versucht dadurch nämlich die Ausnutzung der günstigen Einstiegsbeiträge der PKV bzw. der günstigen Altersbeiträge der GKV zu unterbinden. Deshalb sagen die meisten Erfahrungsberichte, dass ab einem gewissen Alter der Wechsel in die GKV immer abgelehnt wird. Die einzige Möglichkeit wäre die Selbstständigkeit aufzugeben und den Gehalt unter die Versicherungspflichtgrenze senken zu lassen. Beides ist jedoch nur zeitlich begrenzt möglich und stellt in den Lebensentwürfen der meisten Leute keine wirkliche Option dar.

Ein Rückwechsel ist jedoch in jüngeren Jahren möglich, zum Beispiel im Fall dass bei einem Angestellten oder Arbeitnehmer das Bruttojahreseinkommen regelmäßig und über längere Zeit unter die Versicherungspflichtgrenze fällt. Das Gleiche gilt auch im Fall der Arbeitslosigkeit, d.h. wenn der Versicherungsnehmer wieder versicherungspflichtig wird. Ein Rückwechsel ist auch dann möglich, wenn die Selbstständigkeit aufgegeben wird und stattdessen wieder ein Angestelltenverhältnis aufgenommen wird.

Ein Rückwechsel ist jedoch nicht möglich, wenn sich der Versicherungsnehmer auf Antrag hin von der GKV hat befreien lassen. Auf jeden Fall sollte ein Rückwechsel zu der GKV gut durchdacht sein, da in diesem Fall die während der PKV-Mitgliedschaft gebildeten Altersrückstellungen verloren gehen.